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DeFi: Der ultimative Guide über Decentralized Finance

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„Decentralized Finance“ oder kurz „DeFi“: Vielleicht hast du von diesem Begriff gehört und fragst dich, was er bedeutet? Und welche Bedeutung er für dich und deine Geldanlage hat?

In diesem ultimativen DeFi Guide beschreibe ich alles, was du über diesen Trend wissen musst. Und auch, ob es sich dabei nur um einen Hype handelt – oder um die nächste große Revolution des Finanzwesens.

Legen wir los!


Wichtiger Hinweis: Die Inhalte in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder zur Zeichnung von Kryptowährungen oder sonstiger digitaler Wertgegenstände dar, sondern geben lediglich die Meinung des Autors wieder. Informiere dich immer eigenständig und hole bei Bedarf fachliche Unterstützung zu rechtlichen und steuerrechtlichen Fragestellungen ein. Investiere nie mehr, als du bereit bist zu verlieren. Die vollständigen rechtlichen Hinweise findest du im Impressum (Link).


Inhalt

  • Das bisherige, zentralisierte Finanzsystem
  • Banking ist notwendig, Banken sind es nicht
  • Wie funktioniert DeFi?
  • DeFi Lending & Borrowing
  • DeFi Staking
  • Dezentrale Handelsplattformen
  • Welche DeFi Protokolle gibt es?
  • DeFi: Vorteile und Nachteile
  • Checkliste: Wie starte ich mit DeFi?
  • Die Zukunft von DeFi
  • Fazit
  • Weiterführende Artikel

  • Der Begriff „Decentralized Finance“ (DeFi) ist einer der neueren Begriffe in der Welt der Blockchains. Er beschreibt ein Finanzsystem, das ohne vermittelnde Stellen, wie zum Beispiel Banken, Handelsplattformen oder Broker auskommt. Stattdessen ermöglichen sogenannte Smart Contracts konventionelle Finanzdienstleistungen auf einer Blockchain.

    Um die genaue Funktionsweise eines DeFi Systems zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick zurück: Auf das zentralisierte Finanzsystem, das du aus deinem Alltag kennst.

    Aber was genau ist an diesem bisherigen System zentralisiert?

    Das bisherige, zentralisierte Finanzsystem

    Brauchtest du in der Vergangenheit einen Kredit, konnte dir vermutlich eine Bank helfen. Wolltest du wiederum Aktien kaufen, ging das beispielsweise auf einer Handelsplattform oder bei einem darauf spezialisierten (Online-)Broker. Diese Akteure sind üblicherweise Unternehmen, die von dir jeweils ein eigenes Nutzerkonto in ihrem System verlangen. Das Unternehmen verwaltet dein Nutzerkonto und deine Daten dann zentral auf seinen eigenen Servern und Systemen.

    Gleichzeitig treten solche Unternehmen als vermittelnde Stellen auf. Führst du beispielsweise eine Überweisung in deinem Onlinebanking durch, so überweist du das Geld nicht direkt an den/die Empfänger*in. Stattdessen beauftragst du die Bank, die Überweisung für dich durchzuführen. Die Bank ist in diesem Fall also die zentrale Stelle, bei der alle Überweisungen zusammenlaufen.

    Die Vorteile eines zentralisierten Finanzsystems

    Anders als von so manch hartgesottenem Krypto Fan dargestellt, hat diese Form der zentralisierten Organisation nicht nur Nachteile: Da die Bank vollen technischen Zugriff auf dein Konto hat, kann sie Wartungsarbeiten unkompliziert durchführen. Treten beispielsweise Fehlbuchungen auf, kann die Bank die zugrundeliegenden Datenbanken leicht korrigieren. Außerdem sind solche zentralisierten Systeme aus informationstechnischer Sicht sehr effizient und schnell.

    Letzteres deckt sich nicht mit deiner Erfahrung? Du musst teilweise stundenlang auf die Durchführung einer Überweisung warten?

    Das liegt normalerweise nicht an einem langsamen Computersystem. Stattdessen verzögern Banken häufig Überweisungen, um in der Zwischenzeit mit deinem Geld arbeiten zu können.

    Die Nachteile eines zentralisierten Finanzsystems

    Neben diesen Vorteilen weisen zentralisierte Finanzsysteme jedoch auch Nachteile auf. Und zwar sehr gewichtige.

    Der größte Nachteil ist das Vertrauen, das du deiner Bank entgegenbringen musst. Kann ich morgen noch auf meine Bestände zugreifen? Wurden alle Buchungen richtig durchgeführt? Ist mein angezeigter Kontostand noch korrekt? Die Antwort auf diese und weitere Fragen nehmen wir häufig selbstverständlich als „ja“ an. Leider ist das jedoch alles andere als selbstverständlich.

    Und tatsächlich: In normalen Zeiten treten diese Probleme eher selten auf. Schon aus eigenem Interesse möchte die Bank für ihre Kund*innen stabil, sicher und verlässlich erscheinen. Werden die Zeiten hingegen ungemütlicher, kann das aber schnell ganz anders aussehen. Eine beispielhaftes Problem ist die allgemeine Furcht vor einem sogenannten „Bank Run“. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, dass alle Kund*innen gleichzeitig ihre gesamten Gelder von ihrem Konto abheben möchten.

    Kein Problem, oder? Doch.

    Banken halten üblicherweise nur einen kleinen Teil ihres Vermögens in Form von Bargeld vor. Kommt es zu einem Bank Run, kann das leicht zur Zahlungsunfähigkeit, beziehungsweise Insolvenz der Bank führen. Zwar existieren staatliche Garantien und Sicherungssysteme, die seit der Finanzkrise aus dem Jahr 2008 ausgebaut wurden. Ob sie im Fall einer zukünftigen Finanzkrise wirklich ausreichen, ist allerdings nicht vollständig klar.

    Als weiteren Nachteil stellt die Bank einen sogenannten „Single Point of Failure“ dar. Fallen beispielsweise ihre Computersysteme durch Hacks oder Fehlfunktionen aus, kann das den Zugriff auf deine Bestände zeitweise einschränken. Auch politische oder rechtliche Maßnahmen können verhindern, dass du auf deine Einlagen zugreifen kannst. In stabileren Demokratien ist das aber glücklicherweise eher unwahrscheinlich.

    Banking ist notwendig, Banken sind es nicht

    Bereits im Jahr 1994 stellte Bill Gates, der Gründer des Unternehmens Microsoft, das folgende viel zitierte Zitat auf:

    Banking is necessary, banks are not.

    – Bill Gates, 1994

    Gemeint war damit, dass Menschen Zugriff auf grundlegende Finanzdienstleistungen benötigen. Zwei der wichtigsten Beispiele für solche Finanzdienstleistungen sind dabei

    • die Aufnahme von Krediten und
    • die sichere und idealerweise gewinnbringende Aufbewahrung ihres Geldes.

    Die Bank selbst sei hingegen nur Mittel zum Zweck und nicht nötig, wenn diese Finanzdienstleistungen auch anderweitig bereitstehen. Gerade in Deutschland dürfte diese Sicht auf Verständnis treffen, da hier Banken häufig sehr skeptisch betrachtet werden. Und das nicht ganz zu Unrecht:

    Als im Jahr 2008 die weltweite Finanzkrise wütete, kamen Banken nicht mehr ihrer gesellschaftlichen Aufgabe nach: Sie reduzierten die dringend benötigte Kreditvergabe an realwirtschaftliche Unternehmen aus Angst vor Kreditausfällen. Und sie schränkten die Bargeldversorgung ein, indem sie Abhebungen an Geldautomaten limitierten. Und das, obwohl es Banken waren, die die Finanzkrise durch ihre ungezügelte (Immobilien-)Kreditvergabe überhaupt erst verursacht hatten.

    Das Vertrauen in das Bankensystem war zu diesem Zeitpunkt auf dem Tiefpunkt. Und das ist eine ziemlich schlechte Basis für ein Finanzsystem, das im Wesentlichen auf Vertrauen basiert.

    Erst als die damalige Kanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück medienwirksam folgende Erklärung im Fernsehen abgaben, kehrte das Vertrauen langsam zurück:

    Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind, auch dafür steht die Bundesregierung ein.

    – Angela Merkel & Peer Steinbrück, 2008

    Auch wenn es natürlich große Unterschiede zwischen einzelnen Banken gab und gibt, blieb ein fader Beigeschmack: Die Gewinne wurden privatisiert, sodass die Banken die bisherigen Gewinne für sich behielten. Die durch die Finanzkrise entstandenen Schulden wurden hingegen vergemeinschaftet. Letztendlich mussten die Steuerzahler*innen dafür aufkommen.

    #OnThisDay 2008: Die Bundesregierung will in der Bankenkrise private Ersparnisse schützen. «Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind», so Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an der Seite von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) in Berlin. pic.twitter.com/zDAOFuZ4xB

    — dpa (@dpa) October 5, 2021

    Wie funktioniert DeFi?

    Mit dem Aufkommen der Blockchain Technologie im Jahr 2008 wurde der Grundstein für ein neuartiges Finanzsystem gelegt. Die Idee bestand darin, dass Menschen auf der ganzen Welt unmittelbar miteinander finanziell interagieren können – und das ganz ohne jede Bank.

    Doch erst die Entwicklung sogenannter „Smart Contracts“ führte dazu, dass auch wirklich umfangreiche Finanzdienstleistungen über eine Blockchain abgebildet werden können. Auch wenn das Konzept der Smart Contracts – wie so viele technologische Entwicklungen – bereits deutlich früher bekannt war: Erst die Veröffentlichung des Ethereum Blockchain Netzwerkes etwa im Jahr 2015/2016 machte diese Smart Contracts für die Allgemeinheit nutzbar.

    Ein Smart Contract ist dabei im Wesentlichen eine bestimmte Form eines Computerprogrammes. Im Vergleich zu einem normalen Computerprogramm läuft es jedoch nicht auf einem einzelnen Computer oder Server, den eine Person kontrolliert und jederzeit abschalten kann. Stattdessen kannst du dir vorstellen, dass der Smart Contract auf einer Blockchain installiert wird. Ab diesem Zeitpunkt „lebt“ er in der Blockchain. Da eine hinreichend große Blockchain praktisch nicht abgeschaltet werden kann, existiert auch der Smart Contract auf unbestimmte Zeit und ohne Verfallsdatum. Der Smart Contract ist daher grundsätzlich immer online. Ein solch smarter Vertrag kann von außen angesprochen werden und führt dann genau die Logik aus, für die er programmiert wurde.

    Für das bessere Verständnis schauen wir uns am besten das folgende Beispiel an.

    Smart Contracts am Beispiel erklärt

    Ein/e Landwirt*in schließt bei einem Versicherungsunternehmen eine Versicherung gegen einen Ernteausfall ab. Die Versicherungsbedingungen könnten beispielsweise enthalten, dass die Versicherung eine Entschädigung zahlt, wenn es mehr als 14 Tage nicht regnet. In einem zentralisierten Ansatz müsste der/die Kund*in den Schaden zunächst melden. Die Versicherung würde den Schaden dann aufwändig prüfen und die Entschädigung mit einiger Zeitverzögerung auszahlen.

    Ein dezentrales Versicherungsunternehmen könnte hingegen so funktionieren: Der Versicherungsvertrag mit dem/der Kund*in wird über einen Smart Contract geschlossen. Darin ist die Logik abgebildet, dass die Entschädigung ausgezahlt wird, sobald es mindestens 14 Tage lang nicht regnet. Diese Information erhält der Smart Contract dann über einen real existierenden Regensensor, der die Niederschlagsmenge misst.

    Zusatzinfo: Ein solcher Sensor wird im Bereich der Blockchains auch „Oracle“ genannt. Oracles sind Systeme, die sich mit der Frage beschäftigen, wie Informationen aus der realen Welt in eine Blockchain gelangen. Diese Sensorsignale und Informationen sollen dann als verlässliche Entscheidungsgrundlage für Smart Contracts dienen.

    Beispiele für solche Informationen sind digitale Signale, wie zum Beispiel Aktienkurse oder Sensorsignale, wie der angesprochene Regensensor. Darüber hinaus sind natürlich auch andere Signale denkbar, wie zum Beispiel Wetter- oder Verkehrsinformationen.

    Kommt es zur Dürre, zahlt der Smart Contract automatisch die vereinbarte Versicherungssumme aus. Das Versicherungsunternehmen würde wiederum keine/n Gutachter*in benötigen. Auch die eigentliche Auszahlung würde der Smart Contract eigenständig und ohne Aufwand für das Unternehmen ausführen.

    Aber kann der Sensor nicht manipuliert werden?

    Die große Frage – und aktueller Forschungsgegenstand – ist dabei, wie das Sensorsignal vor Manipulation und Fehlfunktionen geschützt werden kann. Würde der Sensor ein falsches Signal an den Smart Contract senden, würde dieser die Versicherungssumme ungewollt auszahlen. Das Versicherungsunternehmen könnte den Betrag in diesem Fall auf technische Weise nicht zurückholen.

    Dieses Beispiel ist dabei nur eines von vielen. Gerade im DeFi Bereich kommen Smart Contracts vor allem für das sogenannte Lending, Borrowing und Staking zum Einsatz. Außerdem werden mittlerweile auch ganze dezentrale Handelsplattformen über Smart Contracts abgebildet. Auf diese wichtigsten DeFi Bestandteile gehe ich im Folgenden ein.

    DeFi Lending & Borrowing

    Bei den englischen Begriffen Lending und Borrowing handelt es sich schlicht um das Verleihen und Leihen von Kryptowährungen.

    Im Falle des Lendings verleihst du deine Kryptowährungen und verdienst dadurch Zinsen. In diesem Szenario wirst du also Kreditgeber*in. Für das Verleihen von Kryptowährungen existieren dabei schon heute unterschiedliche Plattformen. Diese Plattformen sind üblicherweise Web3 Internetseiten, sodass du zwingend ein Wallet, wie zum Beispiel Metamask benötigst.

    Natürlich funktioniert das Verleihen von Kryptowährungen nur, wenn eine andere Person die Kryptowährungen auch leihen möchte. Aus diesem Grund ist es auf den meisten Plattformen auch das Leihen von Kryptowährungen möglich. Dabei gibt es eine wesentliche Besonderheit im Vergleich zu einem herkömmlichen Kredit:

    Stell dir vor, du möchtest ein Haus für 500.000 € kaufen und konntest bereits ein Eigenkapital von 50.000 € ansparen. Das fehlende Geld leihst du dir daraufhin von einer Bank. Als Sicherheit hinterlegst du das zu kaufende Haus, oder anders ausgedrückt: Kannst du deine Kreditraten irgendwann nicht mehr bezahlen, geht das Haus an die Bank.

    Aber was passiert, wenn du deine Kryptowährungen verleihst und der/die Schuldner*in den Betrag nicht zurückzahlen kann? Was ist dann die hinterlegte Sicherheit?

    DeFi Sicherheiten schützen Kreditgeber*innen vor Kreditausfall

    Genau für diesen Fall sehen DeFi Protokolle vor, dass für das Leihen von Kryptowährungen eine Sicherheit hinterlegt werden muss. Diese Sicherheit besteht ebenfalls aus Kryptowährungen und wird im Englischen „Collateral“ genannt.

    Je nach DeFi Plattform ist das Collateral so groß wie, oder sogar größer als der zu leihende Betrag. Unterschiedlich ist auch, ob das Collateral in derselben oder in einer anderen Kryptowährung hinterlegt wird wie der zu leihende Betrag.

    Moment. Um Kryptowährungen zu leihen, muss ich denselben Betrag zuerst als Sicherheit hinterlegen? Warum sollte das irgendjemand tun?

    Die Antwort auf diese Frage ist tatsächlich nicht ganz eindeutig. Allerdings dürfte der aktuelle Hauptgrund für das Leihen von Kryptowährungen steuerlicher Natur sein. Statt eine Kryptowährung mit Gewinn zu verkaufen, wird derselbe Betrag kurzzeitig geliehen. Die ursprüngliche Kryptowährung wird hingegen nicht verkauft, sodass der Gewinn gar nicht erst realisiert wird.

    Wichtig: Diese Beschreibung der gängigen Praxis ist keine Empfehlung, sondern dient nur informativen Zwecken. Falls du dich für das Thema Borrowing interessierst, solltest du die jeweils geltenden steuerrechtlichen Rahmenbedingungen mit deinem/deiner Steuerberater*in besprechen.

    Die Tatsache, dass ein/e Kreditnehmer*in eine Sicherheit hinterlegen muss, macht das Lending besonders attraktiv. Denn: Bei einem normalen Kredit besteht das sogenannte Ausfallrisiko. Das ist die Möglichkeit, dass ein/e Kreditnehmer*in einen Kredit einfach nicht mehr zurückzahlen kann.

    Im DeFi Bereich wird ein Collateral jedoch üblicherweise direkt in einem Smart Contract hinterlegt und von ihm verwaltet. Fällt die Rückzahlung aus, gibt der Smart Contract die Sicherheit frei. Der/die Kreditgeber*in würde in diesem Fall trotzdem den verliehenen Betrag zurückerhalten.

    Auch wenn diese Form der automatisierten Sicherheit ein großer Vorteil gegenüber konventionellen Krediten ist, bestehen zahlreiche andere Risiken, die beim Leihen und Verleihen von Kryptowährungen auftreten können. Einige davon beschreibe ich weiter unten in diesem Artikel.

    DeFi Staking

    Ein andere Sorte von Smart Contracts betrifft das sogenannte „Staking“. Dieser Begriff wird häufig auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Je nach Interpretation kann das Staking also mitunter auch zum DeFi Bereich gezählt werden.

    Beim Staking handelt es sich eigentlich um das Hinterlegen von Kryptowährungen in einem Smart Contract einer Blockchain, die auf dem sogenannten „Proof-of-Stake“ Mechanismus basiert. Dieser Mechanismus ersetzt den energiehungrigen „Proof-of-Stake“ Mechanismus, der beispielsweise bei der Bitcoin Blockchain zum Einsatz kommt. Er funktioniert wie eine virtuelle Abstimmung: Je größer der hinterlegte Betrag (der Stake) ist, desto größere Abstimmungskraft hat der/die jeweilige Nutzer*in.

    Auch hier dient der Stake als eine Art Sicherheit: Versucht der/die Nutzer*in zu betrügen, erkennt das der Algorithmus und reduziert den hinterlegten Betrag – als Strafe.

    NFT Staking

    Neben dieser Form des Stakings wird auch im DeFi Kontext oft von Staking gesprochen, beispielsweise beim NFT Staking. Hierbei hinterlegst du einen NFT, also einen Nicht-Kryptowährungstoken, auf einer Plattform als Sicherheit. Im Gegenzug könntest du dir Kryptowährungen leihen. Fällt deine Rückzahlung aus, verlierst du deinen als Sicherheit hinterlegten NFT. Auch wenn dieser Vorgang manchmal als NFT Staking bezeichnet wird, handelt es sich hierbei eigentlich um einen normalen Lending/Borrowing Vorgang. Statt Kryptowährungen als Sicherheit zu hinterlegen, passiert das hier jedoch durch einen NFT.

    Daneben existiert eine andere Form des DeFi Stakings, die schon eher mit dem ursprünglichen Gedanken des Stakings zu tun hat. Diese Form kommt häufig bei sogenannten „Play-to-Earn“ Computerspielen, wie zum Beispiel Denations, zum Einsatz. Hierbei hinterlegst du eine bestimmte Kryptowährung eines Computerspiels in einem Smart Contract. Oder einen NFT, der beispielsweise ein Stück Land oder einen anderen Spielgegenstand repräsentiert. Als Belohnung wird dir im Gegenzug eine kontinuierliche Menge an Kryptowährungen des jeweiligen Spiels gutgeschrieben. Auch diese Staking Methode hat nichts mit dem eigentlichen Proof-of-Stake Mechanismus zu tun. Die Grundidee, einen Wertgegenstand für einige Zeit in einem Smart Contract zu hinterlegen und im Gegenzug eine kontinuierliche Belohnung zu erwirtschaften, ist aber gleich.

    Dezentrale Handelsplattformen

    Ein weiterer DeFi Bestandteil sind sogenannte dezentrale Handelsplattformen (englisch: „Decentralized Exchanges“, kurz DEX). Das sind im Wesentlichen Webseiten, auf denen du dich mit deinem Wallet einloggst und Kryptowährungen mit anderen Nutzer*innen tauschen und handeln kannst. Anders als bei zentralisierten Handelsplattformen, wie zum Beispiel Coinbase, steuern hier Smart Contracts den Ablauf.

    Was ist ein Liquidity Provider?

    Damit eine DEX funktionieren kann, benötigt sie Liquidität. Oder anders ausgedrückt: Wenn du Bitcoin in Ether tauschen möchtest, aber niemand Ether anbietet, kannst du auch mit niemandem tauschen.

    Daher bieten dezentrale Handelsplattformen üblicherweise die Möglichkeit, dass du deine Kryptowährungen als Liquidität hinterlegen kannst. Das geschieht meistens auf unbestimmte Zeit, beziehungsweise so lange bis du deine Kryptowährungen wieder von der Plattform entnimmst. Im Gegenzug erhältst du dafür eine Rendite, die sich aus den Handelsgebühren der anderen Nutzer*innen ergibt. Personen, die Liquidität in Form ihrer Kryptowährungen bereitstellen, nennt man auch „Liquidity Provider“ (LP).

    Vor- und Nachteile von dezentralen Handelsplattformen

    Als Vorteil einer dezentralen Handelsplattform müssen Kryptowährungen beispielsweise nicht erst an die Plattform gesendet werden. Stattdessen können sie direkt aus deinem Wallet heraus getauscht werden, was die Sicherheit erhöht. Darüber ist die Anzahl der verfügbaren Kryptowährungen und Tokens meistens deutlich höher als auf zentralisierten Handelsplattformen.

    Ein Nachteil ist hingegen die nicht vorhandene Wiederherstellungsmöglichkeit, wenn dir Kryptowährungen gestohlen werden oder du sie verlierst. Wenn die Liquidität auf einer DEX zu einem gewissen Zeitpunkt sehr gering ist, kann die Handelsmöglichkeit außerdem zeitweise eingeschränkt sein. Auch bietet dir eine DEX normalerweise keine Übersicht über deine vergangenen Handelsaktivitäten. Gerade wenn du häufig handelst, solltest du deine Aktivitäten daher sorgfältig dokumentieren, um eine saubere Steuererklärung anfertigen zu können. Hilfreich könnten hier sogenannte Blockexplorer, wie zum Beispiel Etherscan sein.

    Welche DeFi Protokolle gibt es?

    Schon heute existieren zahlreiche DeFi Protokolle und Plattformen, über die Nutzer*innen mit anderen Menschen auf der Erde Handel treiben können. Dabei entsprechen vor allem sogenannte „dezentrale Apps“ (dApps) dem DeFi Grundgedanken: Auf diesen Webseiten kannst du dich rein über dein Wallet, wie zum Beispiel Metamask einloggen. Das Anlegen eines separaten Nutzer*innenkontos und das anschließende Einloggen entfallen.

    Einige prominente dezentrale Plattformen im DeFi Bereich sind beispielsweise:

    • Uniswap (dezentrale Handelsplattform für Kryptowährungen)
    • Compound (einfaches und bekanntes Protokoll für Krypto Lending & Borrowing)
    • Aave (alternatives Protokoll für Krypto Lending & Borrowing)

    Besonders beeindruckend sind dabei die Wachstumsraten dieser Protokolle: Während Uniswap beispielsweise erst im November 2018 startete, lag das monatliche Handelsvolumen bereits im Oktober 2021 bei über 500 Milliarden US Dollar.

    1/

    🚀 Over the weekend, the Uniswap Protocol passed $500B in total trading volume since its launch in November 2018. pic.twitter.com/zJeidQRhyz

    — Uniswap Labs 🦄 (@Uniswap) October 25, 2021

    Daneben existieren aber auch Plattformen, für die du ein konventionelles Nutzer*innenkonto benötigst, wie zum Beispiel

    DeFi: Vorteile und Nachteile

    Während DeFi zum Teil deutliche Vorteile gegenüber traditionellen Finanzsystem aufweist, gibt es auch nicht zu unterschätzende Nachteile. Bevor du im DeFi Bereich aktiv wirst, solltest du daher die jeweiligen Vor- und Nachteile sorgfältig recherchieren. Einige der wichtigsten Vor- und Nachteile habe ich dir in einer kleinen Tabelle zusammengefasst:

    DeFi Vorteile

    • Smart Contract basiert:
      Vertrauen gegenüber dem/der Handelspartner*in ist nicht nötig.
    • Geringe Gebühren:
      Potenzial für geringere Gebühren gegenüber traditionellen Finanzsystemen. Banken werden als Vermittler überflüssig.
    • Globaler Handel und 24/7 Verfügbarkeit:
      DeFi Plattformen schließen nicht am Wochenende und machen keinen Feierabend.

    DeFi Nachteile

    • Anfällig für technische Sicherheitslücken:
      Smart Contracts können anfällig für Hacks und Fehlfunktionen sein.
    • Gebühren können stark variieren:
      Die Gebühren richten sich nach den Netzwerkgebühren der jeweiligen Blockchain. Sie können mitunter stark schwanken.
    • Sehr junge Technologie:
      Gerade bei Liquiditätsproblemen können Finanzdienstleistungen eingeschränkt sein. „Bank Runs“ sind, ebenso wie in traditionellen Finanzsystemen, möglich.

    Checkliste: Wie starte ich mit DeFi?

    Falls du bereits Kryptowährungen und ein Wallet besitzt, ist der Start in DeFi eigentlich recht unkompliziert. Falls das nicht der Fall sein sollte, sind vorher jedoch einige Schritte nötig. Diese können mitunter sehr komplex erscheinen und daher vielleicht auch abschrecken. Daher findest du hier eine kleine Checkliste mit den wichtigsten Schritten, die nötig sind, um mit DeFi zu starten:

    1. Software Wallet einrichten (Metamask)
    2. (Optional) Hardware Wallet einrichten und mit Metamask verbinden
    3. Kryptowährungen kaufen, beispielsweise über Coinbase (Referral-Link)
    4. Kryptowährungen an dein Wallet senden
    5. DeFi Plattform deiner Wahl ausprobieren (ich selbst habe beispielsweise mit Compound begonnen, was sehr einfach zu bedienen ist)

    Die Bedienung einzelner DeFi Plattformen unterscheidet sich stark. Manche sind sehr einfach zu bedienen, wiederum andere wirken deutlich komplizierter. Auf kryptofelix.de werde ich daher in Zukunft immer wieder unterschiedliche Plattformen für dich testen.

    Aber wie sieht eigentlich die Zukunft von DeFi aus?

    Die Zukunft von DeFi

    Wie bei so vielen neuen Technologien steht am Anfang der Hype. Die technischen Lösungen sind jung, aber die Erwartungen sind hoch. Trotzdem setzen Hypes oft den Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung, indem sie anfängliches Interesse schaffen.

    Das dürfte auch bei DeFi der Fall sein: Die langfristige Möglichkeit, rund um die Uhr mit Menschen auf der ganzen Welt sicheren Handel zu treiben – und das ohne eine Bank als vermittelnde Stelle – spricht für sich selbst.

    Bis sich DeFi in der Breite etabliert, muss jedoch noch einige Arbeit in die Systeme gesteckt und die hohen Renditeerwartungen realistischer werden. Ein konkretes Beispiel dafür sind die extrem hohen jährlichen Zinssätze von teilweise 100% und mehr, die langfristig nicht nachhaltig sind. Vitalik Buterin, der Gründer und Entwickler des Ethereum Netzwerkes, der für seine sachlichen Stellungnahmen bekannt ist, twitterte beispielsweise bereits im August 2020:

    Seriously, the sheer volume of coins that needs to be printed nonstop to pay liquidity providers in these 50-100%/year yield farming regimes makes major national central banks look like they're all run by Ron Paul.

    — vitalik.eth (@VitalikButerin) August 31, 2020

    Ein anderes wichtiges Thema sind die Gebühren, die für die Nutzung von DeFi Lösungen erforderlich sind. Da erste DeFi Lösungen direkt auf einer Blockchain liefen, orientierten sich ihre Gebühren an den aktuellen Netzwerkgebühren der jeweiligen Blockchain. Gerade in Zeiten des Hypes und der hohen Netzwerkauslastung konnten die Gebühren daher schnell 100 € und mehr pro Transaktion einnehmen – unerschwinglich für Personen, die nicht ohnehin schon sehr vermögend sind. Neuere DeFi Plattformen nutzen daher sogenannte Layer 2 Skalierungsansätze, die einzelne Transaktionen sehr günstig oder teilweise sogar kostenlos machen. Bis diese Skalierungsansätze allgemeiner Standard werden, dürfte es allerdings noch etwas dauern.

    Darüber hinaus stellen sich weitere spannende Fragen: Wie werden die rechtlichen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen aussehen? Welche neuartigen Finanzdienstleistungen werden über DeFi angeboten? Und wie verhalten sich Banken, wenn ihre bisherigen Geschäftsmodelle zumindest in Teilen durch die DeFi Konkurrenz ersetzt werden?

    Fazit

    „Decentralized Finance“, kurz „DeFi“ beschreibt ein Blockchain basiertes Finanzsystem, das ohne Banken und andere vermittelnde Stellen auskommt. Nutzer*innen können darüber mit Menschen auf der ganzen Welt handeln, Kryptowährungen leihen und verleihen und für das sogenannte Staking einsetzen. Zukünftig dürften sich die DeFi Möglichkeiten darüber hinaus auch auf andere Wertgegenstände, wie zum Beispiel Aktien oder Immobilien ausweiten.

    Auch wenn DeFi Systeme schon heute funktionieren und einsatzfähig sind: Einige wirtschaftliche, technische, gesellschaftliche, rechtliche und steuerrechtliche sowie politische Fragestellungen sind noch offen, die es zu beantworten gilt. Trotzdem sprechen die bisherigen Vorteile von DeFi für sich.

    Decentralized Finance ist gekommen, um zu bleiben.


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    Bis zum nächsten Mal auf kryptofelix.de!

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    2 Gedanken zu „DeFi: Der ultimative Guide über Decentralized Finance“

    1. Jeden, den ich über DeFi sprechen höre, verleiht seine Coins gegen traumhafte Renditen, aber niemand scheint wirklich erklären zu können, wer eigentlich die Leute sind, die all diese Coins im Gegenzug gegen horrende Kreditzinsen ausleihen und warum sie dies tun sollten. Du schreibst – etwas kryptisch – von steuerlichen Gründen. Das habe ich ehrlicherweise nicht verstanden. Und damit bleibt DeFi für mich sehr sehr suspekt. Denn im Gegensatz zu traditionellem Fiat-Geld sehe ich bei Kryptos keinerlei Kreditbedarf, wie ihn sonst Unternehmen für Investitionen oder Privatleute für Konsum & Immobilien erzeugen. Vielleicht kannst du dazu ja noch mehr schreiben.
      Viele Grüße
      Jenni

      1. Hallo Jenni,
        vielen Dank dir für deinen reflektierten Kommentar!

        Heutiges DeFi Borrowing macht praktisch nur in einem Fall Sinn: Und zwar, wenn eine Person Liquidität benötigt, ohne die ursprünglichen, als Sicherheit hinterlegten Kryptowährungen verkaufen zu müssen. Das ist vor allem der Fall beim sogenannten „Hebeln“, also der kreditfinanzierten Spekulation.

        Die Renditen sind dabei je nach DeFi Lösung sehr unterschiedlich und beim reinen Leihen & Verleihen von Kryptowährungen tatsächlich noch eher moderat. Während ich das hier schreibe, habe ich parallel einmal bei der angesprochenen Plattform „Compound“ nachgeschaut: Würde ich dort 100 US Dollar Coins leihen, würde ich darauf 4,37 % Zinsen zahlen. Würde ich dort hingegen 100 US Dollar Coins verleihen, würde ich dafür 3,02 % Zinsen erhalten (diese Werte schwanken aber täglich stark). Das sind zwar höhere Zinsen, als wir aus der bisherigen Niedrigzinsphase gewöhnt sind. Allerdings aber auch noch überschaubare Werte, während manche Sparkassen auch heute beispielsweise noch über 8 % für einen Überziehungskredit veranschlagen. Werden dir traumhafte Renditen versprochen, solltest du aber in jedem Fall sehr vorsichtig sein.

        Deine Anregungen nehme ich in jedem Fall auf und werde in einem der nächsten Artikel genauer darauf eingehen.

        Viele Grüße
        Felix

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