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Der neue Euro Stablecoin von Circle im Überblick

Ab dem 30. Juni 2022 soll der neue Euro Stablecoin „EUROC“ des US-amerikanischen Unternehmens Circle auf den Markt kommen.

Was es damit auf sich hat und warum du als Investor*in im Euroraum darüber Bescheid wissen musst, erfährst du in diesem Artikel.

Los geht’s!


Wichtiger Hinweis: Die Inhalte in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder zur Zeichnung von Kryptowährungen oder sonstiger digitaler Wertgegenstände dar, sondern geben lediglich die Meinung des Autors wieder. Informiere dich immer eigenständig und hole bei Bedarf fachliche Unterstützung zu rechtlichen und steuerrechtlichen Fragestellungen ein. Investiere nie mehr, als du bereit bist zu verlieren. Die vollständigen rechtlichen Hinweise findest du im Impressum (Link).


Kurz und knapp: Was sind Stablecoins?

Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert im Idealfall nicht oder nur kaum schwankt. Aus diesem Grund nennt man sie eben „stabil“. Und das im Vergleich zu anderen Kryptowährungen, deren Wert hochgradig schwankungsanfällig, also „volatil“ ist.

Wie ich kürzlich schon in Krypto Snack #3: Was sind Stablecoins beschrieben hatte, soll diese Stabilität erreicht werden, indem sich der Stablecoin an einer staatlichen Währung, wie zum Beispiel dem US Dollar orientiert.

Die Bindung an eine solche staatliche Währung wird dabei prinzipiell auf eine von zwei Arten erreicht:

  1. Entweder wird der Stablecoin vom herausgebenden Unternehmen mit echten Währungen besichert. In diesem Fall hätte ein solches Unternehmen für jeden US Dollar Coin, den es in Umlauf bringt, auch einen echten US Dollar auf seinem Bankkonto hinterlegt.
  2. Oder der Wert des Stablecoins wird „algorithmisch“ über einen Smart Contract hergestellt. Fällt der Wert eines US Dollar Stablecoins dann unter einen US Dollar, erhalten Investor*innen einen Anreiz den Coin zurückzukaufen. Wodurch sich der Wert des Coins wieder an einen US Dollar annähern sollte.

Dass die algorithmische Besicherung furchtbar schief gehen kann, zeigte der kürzliche Fall des Stablecoins TerraUSD (UST), der in nur wenigen Tagen praktisch wertlos wurde.

US Dollar Coin: Bisher nur in Dollar

Umso wichtiger ist für die meisten Investor*innen daher wahrscheinlich die erste Art dieser Stablecoins.

Einer der bekanntesten bisherigen Stablecoins, der auf dieser Art der Besicherung basiert, ist dabei der „US Dollar Coin“ (USDC). Diese Kryptowährung wird von den beiden US-amerikanischen Unternehmen Circle und Coinbase über ihre gemeinsame Gruppe „Centre Consortium“ herausgegeben.

Diese Kryptowährung wurde bis Sommer 2021 neben Bareinlagen noch über allerhand andere Finanzprodukte besichert. Ein Kritikpunkt, den das Centre Consortium aufnahm und im Sommer 2021 ankündigte, seine Stablecoins in Zukunft ausschließlich über Bargeld und verhältnismäßig sichere Staatsanleihen zu besichern. Zumindest nach der zugehörigen Webseite von Coinbase scheint das heute der Fall zu sein.

Nach dem Fall von TerraUSD und zahlreichen Kritiken und Skandalen um den Stablecoin Tether ging der US Dollar Coin dann in diesem Jahr als Gewinner hervor und verzeichnete zahlreiche Zuflüsse.

Vor – und Nachteile für europäische Investor*innen

Krypto Investor*innen nutzen Stablecoins wie beispielsweise den USDC dann gerne, wenn sie zum Beispiel nach einem langanhaltenden Bullenmarkt ihre gut gelaufenen Kryptowährungen verkaufen und Gewinne sichern wollen. Aber gleichzeitig nicht vollständig aus dem Krypto Markt aussteigen wollen, um beispielsweise nach einem Crash schnell wieder einsteigen zu können.

In diesem Beispiel würde eine Person ihre Kryptowährungen verkaufen und stattdessen in den weniger schwankungsanfälligen USDC aufbewahren. Weil diese Transaktion keine zeitaufwendige Überweisung an deine Hausbank beinhaltet, geht das sehr einfach und schnell.

Klar: Auf einer Handelsplattform wie zum Beispiel Coinbase kannst du deine Kryptowährungen natürlich auch schnell und einfach für „richtige“ Euros verkaufen. Der Unterschied ist allerdings der, dass du diese Euros dann entweder zu deiner Hausbank überweisen müsstest. Oder der, dass du diese Euros im Konto deiner Handelsplattform aufbewahren müsstest. Verkaufst du deine Kryptowährungen hingegen für einen Stablecoin, kannst du ihn – genau wie andere Kryptowährungen – unabhängig in deinem eigenen Wallet aufbewahren.

Dollar Stablecoins: (Virtuelle) Gewinne durch den Wechselkurs

Doch auch wenn du als europäische/r Investor*in die Kryptowährung USDC regulär auf Coinbase und anderen Plattformen kaufen kannst, bleibt ein großer Nachteil. Möchtest du deine Stablecoins nutzen, um damit eine andere Kryptowährung, wie zum Beispiel Ether zu kaufen, kann das eine steuerlich relevante Handlung sein.

Denn hast du deine Stablecoins vor weniger als einem Jahr gekauft und verkaufst sie innerhalb eben dieser Jahresfrist wieder, fallen darauf üblicherweise Steuern an.

Aber wie kann das sein, wenn doch der Stablecoin im Preis gleich bleibt und damit keine Gewinne generiert?

Der Grund dafür liegt in dem Fall im US Dollar Coin, der natürlich in der Währung Dollar notiert. Und auch wenn dieser Coin immer exakt einem US Dollar entsprechen würde: Aufgrund des Wechselkurses zwischen dem US Dollar und dem Euro kann es sein, dass der Wert deines Stablecoins in Euro steigt, wenn der Dollar an Stärke gewinnt.

Dabei kann dieser Umstand nicht nur teuer werden. Er verkompliziert auch deine Steuererklärung, wenn du für jeden Kauf über einen Stablecoin auch eine eigene Gewinnermittlung anstellen musst. Dieses Problem hatte ich bereits in meinem Artikel 5 kluge Tipps für eine einfache Steuererklärung angesprochen – damals noch mit dem Hinweis, dass es zu diesem Zeitpunkt keinen nennenswerten Stablecoin in der Währung Euro gab.

Doch das soll sich jetzt ändern.

Euro Coin: Der neue Stablecoin von Circle

Nach dem Erfolg des US Dollar Coins hat Circle nun die europäische Version des USDC angekündigt: Ab dem 30. Juni 2022 soll der sogenannte „Euro Coin“ (EUROC) in Umlauf kommen und angeblich zu 100% über echte Euros besichert sein.

Genau wie seine Schwesterkryptowährung, der USDC, wird der EUROC dann ein sogenannter ERC-20 Token auf der Ethereum Blockchain sein. Das bedeutet, dass der EUROC auf keiner eigenen Blockchain läuft. Stattdessen stellt dieser Stablecoin eine Art Sonderkryptowährung dar, die auch auf der Ethereum Blockchain beheimatet ist.

EUROC: Das Wechselkursrisiko entfällt

Für Investor*innen im Euroraum könnte der EUROC dabei noch etwas interessanter als der USDC sein. Denn wenn du eine Kryptowährung für einen Stablecoin verkaufst, möchtest du ja üblicherweise in eine stabilere und weniger schwankungsanfällige Anlageklasse wechseln.

Sofern du bisher deine Kryptowährungen in den USDC getauscht hast, hattest du trotzdem weiterhin das oben beschriebene Wechselkursrisiko. Denn der USDC kann genauso wie der Dollar selbst jederzeit gegenüber dem Euro an Wert gewinnen oder auch verlieren.

Im Gegensatz dazu entfällt das Wechselkursrisiko für dich bei der Nutzung des EUROC. Zumindest, wenn du ohnehin im Euro-Zahlungsraum unterwegs bist und auch deine Steuererklärung in der Währung Euro anfertigst.

Besonders attraktiv könnte der EUROC dann sein, wenn du diesen Stablecoin in eine andere Kryptowährung, wie zum Beispiel Bitcoin, zurücktauschst. Denn selbst wenn das innerhalb der Jahresfrist passiert, dürfte sich hier kein Kursgewinn ergeben: Der Euro Coin, den du zuvor gekauft hast, ist auch später noch ein Euro wert.

Aber Vorsicht: Rein theoretisch könnte sich auch hier ein winziger Kursgewinn ergeben, da der Euro Coin streng genommen nicht ganz exakt einem Euro entspricht. Sondern eben nur fast.

In der Praxis dürfte dieser Kursgewinn allerdings nahezu Null sein. Es bleibt also abzuwarten, ob das deutsdche Finanzamt auch für Käufe mittels des EUROC eine FiFo Rechnung einfordert. Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du hier als Rücksprache mit deinem/deiner Steuerberater*in halten.

Fazit

Ab dem 30. Juni 2022 kommt der neue Stablecoin „Euro Coin“ (EUROC) in Umlauf. Dieser könnte dabei eine echte Alternative zum mittlerweile erprobten Stablecoin „US Dollar Coin“ (USDC) darstellen. Beide werden dabei vom selben Unternehmen, dem amerikanischen Circle, ausgegeben. Der neue EUROC soll nach Angaben des Unternehmens zu 100% mit der zugehörigen Menge an echten Euros hinterlegt sein.

Ein solcher, in Euro notierter Stablecoin könnte dabei für Investor*innen im Euroraum mehrere Vorteile im Vergleich zum USDC mit sich bringen, unter anderem in Bezug auf die Steuererklärung und die damit einhergehende Gewinnermittlung. Aus diesem Grund werde ich nach der Markteinführung sicherlich meine USDC Bestände schrittweise in EUROC überführen.

Doch auch wenn sich die Vorteile verlockend anhören: Stablecoins wie der USDC oder EUROC werden von zentralisierten Unternehmen ausgegeben. Daher sind Szenarien denkbar, in denen du den Zugriff auf dein Vermögen verlieren könntest.

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