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Retten Kryptowährungen dein Geld vor der Inflation?

Sind Kryptowährungen geeignet, um dein Geld vor der schleichenden Entwertung zu schützen?

Warum das nur bedingt der Fall ist, erkläre ich dir in diesem Artikel. Und auch, warum es in Zeiten hoher Inflation trotzdem Sinn machen kann, Kryptowährungen zu besitzen.

Los geht’s!


Wichtiger Hinweis: Die Inhalte in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder zur Zeichnung von Kryptowährungen oder sonstiger digitaler Wertgegenstände dar, sondern geben lediglich die Meinung des Autors wieder. Informiere dich immer eigenständig und hole bei Bedarf fachliche Unterstützung zu rechtlichen und steuerrechtlichen Fragestellungen ein. Investiere nie mehr, als du bereit bist zu verlieren. Die vollständigen rechtlichen Hinweise findest du im Impressum (Link).


Kurz und knapp: Was ist Inflation?

Als Inflation bezeichnet man die kontinuierliche Entwertung eines Zahlungsmittels. Das Geld, das du heute besitzt, hat also morgen eine geringere Kaufkraft. Du kannst damit in Zukunft also weniger Dinge kaufen.

In der Praxis wird üblicherweise unterschieden zwischen zwei Arten der Inflation. Diese sind

  • die Verbrauchsgüterinflation und
  • die Vermögenspreisinflation.

Bei der Verbrauchsgüterinflation handelt es sich um die Inflation, an die du wahrscheinlich unmittelbar denkst: Benzin wird teurer, Lebensmittel im Supermarkt werden teurer und der Kinobesuch wird teurer. Kurz: Alles, was zum sogenannten „Konsum“ gehört, wird teurer.

Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Vermögenspreisinflation um die generelle Preissteigerung von Anlagegegenständen. Das bedeutet, dass beispielsweise die Preise für Aktien, Gold oder Immobilien steigen – ohne, dass ihr zugrunde liegender Wert auch steigt. Beispielsweise, indem das über die Aktie gekaufte Unternehmen produktiver wird oder die jeweilige Immobilie saniert wird.

Wie hoch ist die Inflation?

In der Vergangenheit strebte die Europäische Zentralbank (EZB) üblicherweise eine Inflationsrate von 2 % pro Jahr an.

President Christine @Lagarde introduces the inflation outlook for the euro area. pic.twitter.com/cl1732CxuK

— European Central Bank (@ecb) March 10, 2022

100 €, die du heute hast, entsprächen auf diese Weise im nächsten Jahr dann nur noch etwa 98 €. Allerdings lag diese angepeilte Inflationsrate bei Weitem nicht immer bei 2 %, sondern pendelte um dieses angepeilte Ziel. Während die Inflation zeitweise nahe bei 0 % lag, lag sie im Februar 2022 aufgrund der Geschehnisse in der Ukraine und dem damit einhergehenden Energiepreisschock bei sogar 6 %.

Ob sich die vorhergesagte Inflation für die Jahre 2023 und 2024 allerdings tatsächlich wie angegeben einstellt, darf bezweifelt werden.

Zusatzinfo: Wie hoch die Inflation ausfällt, hängt immer auch vom betrachteten „Warenkorb“ ab. Während der heutige Immobilienboom nun schon seit vielen Jahren anhält, waren die Preise für selbstgenutzte Immobilien jedoch lange nicht im Warenkorb der EZB enthalten. Und das, obwohl dieser Wert einen maßgeblichen Einfluss auf die reale Inflation für viele Personen in Deutschland hat und hatte.
Erst seit kurzer Zeit sollen diese Preise für selbstgenutzte Immobilien endlich in den für die Inflation wichtigen Warenkorb aufgenommen werden. Ob diese Aufnahme der Immobilienpreise aus reiner Nachlässigkeit so spät geschieht oder bewusst verzögert wurde, darf gerne unten in den Kommentaren diskutiert werden.

Was hilft gegen die Inflation?

Von der Inflation besonders betroffen ist das Geldvermögen. Das heißt, Bargeld – auch solches, das auf einem Bankkonto liegt – verliert besonders stark an Wert.

Der Grund dafür ist, dass es üblicherweise keine Rendite erwirtschaftet, die der Inflation entgegenwirkt. Allgemein anerkannt ist hingegen, dass sich Sachwerte besonders gut als Inflationsschutz eignen. Solche Sachwerte können eben Aktien als reale Unternehmensanteile, aber auch Gold oder Immobilien sein.

Die Idee dahinter ist, dass solche Sachwerte ihren innewohnenden Wert immer behalten: In einem Haus kann ich wohnen oder es vermieten. Und das zu einer Aktie zugehörige Unternehmen produziert auch in Zukunft noch hochwertige Produkte.

Gold hingegen wurde in der Vergangenheit oft als „sicherer Hafen“ bezeichnet: Schwand das Vertrauen in staatliche Währungen, kauften Menschen Gold. Was zu einem steigenden Preis und dem zugehörigen Inflationsschutz führte.

Eignen sich Kryptowährungen als Schutz vor der Inflation?

Aber wie verhalten sich Kryptowährungen? Sind sie geeignet, um dein Vermögen vor einer aufziehenden Inflation zu schützen?

Dafür musst du dir zunächst darüber klar werden, was du genau unter „Inflationsschutz“ verstehst. Der konservativste Ansatz wäre wahrscheinlich die Hoffnung, dass dein eingesetztes Geld einfach seinen Wert und seine Kaufkraft behält.

Dieser Wunsch ist nicht neu.

When you get a 1% raise but inflation is 8% pic.twitter.com/uTSkPN5pC6

— Wall Street Memes (@wallstmemes) March 10, 2022

Inflationsschutz in der konventionellen Geldanlage

Bereits in der konventionellen Geldanlage existiert eine Anlageform mit der sperrigen Bezeichnung „Inflationsindexierte Anleihe“. Diese Form der Anleihe orientiert sich am allgemeinen Inflationsniveau und entschädigt dich gewissermaßen im Fall steigender Preise. Im direkten Vergleich dazu weisen die meisten Kryptowährungen keinen Mechanismus auf, der sich direkt an der Inflation orientiert.

Wie auch? Immerhin ist die Inflation über unterschiedliche Währungsräume, aber auch über die verschiedenen Länder eines Währungsraumes verschieden. Der Preis der meisten Kryptowährungen bestimmt sich einzig und allein über Angebot und Nachfrage. Und keine zentrale Organisation sorgt hier für Preisstabilität.

Sind Stablecoins auch von der Inflation betroffen?

Etwas anders verhält sich das hingegen bei den sogenannten „Stablecoins“. Diese Kryptowährungen ahmen den Preis von staatlichen Währungen, wie zum Beispiel dem US Dollar, durch kluge Mechanismen der Preisfindung nach. Auf diese Weise entspricht ihr Wert fast zu allen Zeiten dem Wert – beispielsweise – eines US Dollars.

Auch wenn ihr Wert dadurch nicht zu schwanken scheint, hast du in Bezug auf die Inflation nichts gewonnen. Da ihr Wert dem der staatlichen Währung entspricht, sind sie auch derselben Inflation ausgesetzt: Verliert der US Dollar an Kaufkraft, ergeht es dem US Dollar Coin genauso.

Echter Inflationsschutz nur über Preissteigerungen

Die Anlageklasse der Kryptowährungen hat also keinen pauschalen Mechanismus, um dich vor der Inflation zu schützen. Ein wenig anders ist das bei Aktien, bei denen produzierende Unternehmen mit einer starken Marktposition die Preise erhöhen kann.

Die Inflation steigt? Kein Problem, Apple verkauft das nächste iPhone einfach 100 € teurer. Ganz ähnlich verhält sich das auch mit Immobilien, bei denen die Miete im Zuge der Inflation erhöht werden kann.

Ganz so einfach ist das natürlich nicht. Auch Aktienkurse können sinken. Und Mietpreisbremsen, -deckel, Sanierungskosten, Leerstand und anderes kann dafür sorgen, dass dein Vermietungsgewinn nicht steigt. Auch diese Anlageklassen garantieren dir daher selbstverständlich keinen Werterhalt. Durch die angesprochenen Preissteigerungen haben sie aber die Möglichkeit, zumindest mit der Inflation mitzuhalten.

Interessanterweise ist auch der oben angesprochene, vermeintlich sichere Hafen Gold nicht pauschal vor Inflation sicher. Zwar können Minenbetreiber*innen in Zeiten steigender Preise auch höhere Preise für ihr Gold verlangen. Letztendlich bestimmt jedoch auch hier Markt den Preis durch Angebot und Nachfrage. Kommt es zur Inflation und möchte niemand mehr Gold kaufen, kann auch der Preis für Gold fallen.

Steigen Kryptowährungen, wenn die Inflation steigt?

Die Frage, ob Kryptowährungen also allein aufgrund ihrer Wertsteigerung einen Schutz vor Inflation bieten können, hängt von der sogenannten „Korrelation“ zu anderen Anlageklassen ab. Vereinfacht ausgedrückt geht es dabei um die Frage: Steigt der Preis von Kryptowährungen, wenn die Inflation steigt? Und sinkt der Preis von Kryptowährungen, wenn die Inflation wieder sinkt?

Diese Frage wurde in der Vergangenheit bereits ausgiebig von unterschiedlichsten Zeitungen und Autor*innen betrachtet (unter anderem hier, hier, hier und hier). Selbst wissenschaftliche Abhandlungen wurden mittlerweile zu diesem Thema veröffentlicht. Und auch wenn die Argumente und Sichtweisen unterschiedlich sind: Viele Autor*innen kommen zum Schluss, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen auf längere Sicht nicht hinreichend mit anderen Anlageklassen und der Inflation korreliert ist. Oder anders ausgedrückt: Dass solche Kryptowährungen nicht zuverlässig steigen, wenn andere Werte fallen.

Trotzdem wird auch heute noch hauptsächlich der Bitcoin – die allererste Kryptowährung – bei diesen Überlegungen betrachtet. Teilweise wird dabei behauptet, dass der Bitcoin selbst gar keinen Sachwert darstelle, da er keinen innewohnenden (intrinsischen) Wert oder Nutzen hat. Während sich beim Bitcoin darüber sicherlich streiten lässt, sieht das bei anderen Kryptowährungen anders aus. Die Kryptowährung Ether beispielsweise ist nicht nur eine weitere Kryptowährung. Sie wird zwingend benötigt, um die vielen Anwendungen im Ethereum Netzwerk überhaupt erst nutzen zu können. Das schafft heute und auch in Zukunft eine dauerhafte Grundnachfrage nach dieser Kryptowährung.

Kryptowährungen können trotzdem zur Diversifizierung Sinn machen

Kryptowährungen bieten dir also keinen garantierten Schutz vor der Inflation.

Doch auch wenn dieser Beitrag vorrangig die Inflation betrachtet: In deiner Geldanlage sind auch andere Faktoren wichtig. Wie zum Beispiel:

  • Die grundsätzlich mögliche Wertsteigerung,
  • das mögliche Verlustrisiko, einschließlich des maximal möglichen Verlustes und der zugehörigen Eintrittswahrscheinlichkeit oder
  • die Diversifizierung deines gesamten Vermögens.

Gerade für den letzten Punkt können Kryptowährungen also trotzdem nützlich sein. Und als neuartige Anlageklasse dein bestehendes Portfolio erweitern.

Sollte sich in Zukunft herausstellen, dass Kryptowährungen tatsächlich nur schwach mit anderen Anlageklassen deines Portfolios korreliert sind, ist das sogar vorteilhaft für die eigene Diversifizierung. Denn wie der US-amerikanische Milliardär Ray Dalio beschreibt, sei der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren der, etwa 10 bis 15 „unkorrelierte Wetten“ einzugehen:

Fazit

Kryptowährungen allein können dich nicht vor der Inflation schützen. Allerdings können sie als kleine Beimischung in deinem Gesamtportfolio helfen, dein Vermögen zu diversifizieren. Und auf diese Weise deine Erträge zu steigern – oder zumindest konstant zu halten – ohne dein Risiko nennenswert zu steigern.

Verwechselst du hingegen eine Investition mit einer Spekulation und investierst zu große Teile deines Vermögens in Kryptowährungen, können die zugehörigen Preisschwankungen dein Vermögen auch real sinken lassen.


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